Erfolg­rei­che Pro­zess-Finan­zie­rung: Vol­le Unfall­ver­si­che­rungs-Sum­me für ver­un­glück­ten Motor­rad­fah­rer

Juni 2019

 

 

Vor allem für Motor­rad­fah­rer oder Per­so­nen, die gefähr­li­che Tätig­kei­ten oder Sport­ar­ten aus­üben, emp­fiehlt sich immer der Abschluss einer pri­va­ten Unfall­ver­si­che­rung.

Bei Frei­zeit­un­fäl­len fällt ein Schwer­ver­letz­ter auch im Sozi­al­staat Öster­reich in ein tie­fes finan­zi­el­les Loch. Die Auf­ga­be einer pri­va­ten Unfall­ver­si­che­rung ist es, die­ses Loch auf­zu­fül­len. Wir schil­dern heu­te einen Aus­nah­me­fall.

Wenn die Unfall­ver­si­che­rung nicht zah­len will

Der Ver­si­cher­te fuhr am 7. August 2011 mit sei­nem stra­ßen­zu­ge­las­se­nen Renn­mo­tor­rad in Süd­ti­rol auf einen Pass. Nach einer Kur­ve hat­te sich auf der Fahr­bahn Was­ser gebil­det. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer kam zu Sturz über­schlug sich mehr­fach. Am Fuße eines Abhan­ges kam er mit zahl­rei­chen Kno­chen­brü­chen bewe­gungs­los und ohne Bewusst­sein zum Lie­gen.

Ein ent­ge­gen­kom­men­der Fahr­zeug­len­ker bemerk­te dies und ver­stän­dig­te sofort den inter­na­tio­na­len Not­ruf. Nach weni­gen Minu­ten wur­de der Schwer­ver­letz­te mit dem Hub­schrau­ber abtrans­por­tiert.

Da der Ver­si­che­rungs­neh­mer den Unfall selbst ver­schul­det hat­te, hat­te er natür­lich kei­nen Anspruch auf Scha­den­er­satz.

Auf­grund des medi­zi­ni­schen Kön­nens von Ärz­ten der Uni­kli­nik Innsbruck ver­heil­ten die Kno­chen­brü­che sehr schnell. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer war bereits nach neun Mona­ten wie­der in der Lage, (teil­wei­se) mit sei­ner Arbeit zu begin­nen. Aller­dings bemerk­te sein Chef, aber auch der Ver­si­che­rungs­neh­mer, dass gewis­se Arbei­ten nicht mehr so leicht von der Hand gin­gen. Ins­be­son­de­re das Kurz­zeit­ge­dächt­nis, aber auch die Fähig­keit, kom­ple­xe Sach­ver­hal­te schnell zu erfas­sen, hat­ten gelit­ten.

Die Unfall­ver­si­che­rung hat­te für die Kno­chen­brü­che bereits einen Betrag von 33.000 Euro bezahlt. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer stell­te sich auf den Stand­punkt, in der Hirn­leis­tungs­fä­hig­keit stark ein­ge­schränkt zu sein und brach­te die Kla­ge über wei­te­re 250.000 Euro ein.

Ab Ein­brin­gung der Kla­ge begann ein lan­ger Lei­dens­weg für den Ver­si­che­rungs­neh­mer. lm August 2015 (vier Jah­re nach dem Unfall) sprach das Gericht dem Geschä­dig­ten die zusätz­li­chen 250.000 Euro zuzüg­lich 38.000 Euro an Zin­sen zu.

Zah­lung der Unfall­ver­si­che­rung erst sie­ben Jah­re spä­ter

Nach dem Zuspruch ging die Rechts­sa­che zum Ober­lan­des­ge­richt (OLG) von dort an die Ers­te Instanz, dann wie­der an das OLG von dort zum Obers­ten Gerichts­hof von dort an die Ers­te Instanz von dort an das OLG, wel­ches end­lich im Novem­ber 2018, mehr als sie­ben Jah­re nach dem Unfall, den Zuspruch von 250.000 Euro samt Zin­sen bestä­tig­te.

Der Ver­si­che­rungs­neh­mer erhielt den Betrag von 250.000 Euro zuzüg­lich cir­ca 62.000 Euro Zin­sen und 40.000 Euro Pro­zess­kos­ten.

Keine Rechts­schutz­ver­si­che­rung: Erfolg durch Pro­zess-Finan­zie­rung

Der Ver­si­che­rungs­neh­mer hat­te keine Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Er hat vor dem Pro­zess eine soge­nann­te Pro­zess­kos­ten­fi­nan­zie­rungs­ver­ein­ba­rung abge­schlos­sen. Für die Tra­gung sämt­li­cher Kos­ten des Pro­zes­ses hat der Pro­zess-Finan­zie­rer eine Betei­li­gung von 20 Pro­zent ver­langt. Die­sen Anteil hat der Ver­si­che­rungs­neh­mer ger­ne bezahlt, da er ohne Pro­zess-Finan­zie­rer ja gar nichts hät­te errei­chen kön­nen.

Fazit: Der Fall ist ein Aus­rei­ßer. Er zeigt wie­der ein­mal mehr auf, wie wich­tig eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung ist.