EIN UNGLÜCK KOMMT SEL­TEN ALLEIN

 
Mai 2019

 

 

Bei einem Ver­kehrs­un­fall im Jahr 2013 erlitt Herr N. schwers­te Ver­let­zun­gen. Durch die Ver­let­zun­gen droh­te ihm sogar der Ver­lust eines Bei­nes. Selbst nach zwölf Ope­ra­tio­nen in Voll­nar­ko­se und zahl­rei­chen The­ra­pi­en ist immer noch nicht klar, ob er sein Bein behal­ten oder ver­lie­ren wird.

Gleich nach dem Unfall wand­te sich sei­ne Frau an einen Anwalt und beauf­trag­te ihn damit, die Ansprü­che gegen die pri­va­te Unfall­ver­si­che­rung gel­tend zu machen. Des Wei­te­ren soll­te der Anwalt auch alle zivil­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wie Schmer­zens­geld, Ver­dienst­ent­gang oder Pfle­ge­kos­ten ein­for­dern.

Gleich­zei­tig wur­de eben­so der Ver­si­che­rungs­mak­ler ver­stän­digt, damit auch er die Unfall­ver­si­che­rungs­an­sprü­che gel­tend macht. Damit begann die juris­ti­sche Tra­gö­die und nahm ihren leid­vol­len Lauf.

Ansprü­che auf dau­ern­de Inva­li­di­tät müs­sen in der Unfall­ver­si­che­rung bin­nen 15 Mona­ten gel­tend gemacht werden. Doch in die­sem Fal­le wur­de dies gar nicht gemel­det: Der Anwalt ging davon aus, dass der Mak­ler die Mel­dung macht. Der Mak­ler ging jedoch davon aus, dass der Anwalt die Ansprü­che gel­tend macht. Hin­zu kam, dass der Schwer­ver­letz­te, ange­sichts sei­ner finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se, eine viel zu nied­ri­ge Ver­si­che­rungs­sum­me hat­te.

Der Anwalt gab schließ­lich, auf­grund sei­nes Fehl­ver­hal­tens und dem dar­aus ent­stan­de­nen Inter­es­sens­kon­flikt, die Ver­tre­tung des Schwer­ver­letz­ten ab.

Der Geschä­dig­te nahm mit uns Kon­takt auf, da sowohl der Erst­an­walt als auch der Mak­ler zur Rechen­schaft gezo­gen werden müs­sen. Doch schul­dig woll­te kei­ner der bei­den sein: Jeder schob die Schuld auf den ande­ren. Nach eini­ger Ver­fah­rens­dau­er gelang es letzt­lich einen Ver­gleich abzu­schlie­ßen. Mit die­sem Ver­gleich bekam der geschä­dig­te Schwer­ver­letz­te wenigs­tens die ent­gan­ge­nen Ansprü­che aus der Unfall­ver­si­che­rung.

Da der Anwalt über zwei Jah­re lang ver­such­te, einen außer­ge­richt­li­chen Ver­gleich der Scha­den­er­satz­an­sprü­che her­bei­zu­füh­ren, ent­stan­den erheb­li­che Ver­tre­tungs­kos­ten. Der Erst­an­walt for­der­te vom Schwer­ver­letz­ten über 30.000 Euro. Eine erheb­li­che Sum­me für zwei­ein­halb Jah­re wenig sinn­haf­ter Bemü­hun­gen, da die Chan­cen auf eine Eini­gung nicht vor­han­den waren. Denn der Schwer­ver­letz­te ist Frei­be­ruf­ler. Bei die­sen zah­len Versicherungen die Ver­dienst­ent­gangs­an­sprü­che grund­sätz­lich nicht ohne Urteil.

Zwi­schen­zeit­lich wütet auch der Scha­den­er­satz­pro­zess mit dem Unfall­geg­ner und des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Bereits drei Gut­ach­ten zur Höhe des Schmer­zens­gel­des wurden ein­ge­holt. Mitt­ler­wei­le zeig­te die geg­ne­ri­sche Haft­pflicht­ver­si­che­rung end­lich Ver­gleichs­be­reit­schaft. Soll­te der Ver­gleich gelin­gen, wird es auch mög­lich sein, mit dem Vor­an­walt über sei­ne Kos­ten eine Lösung zu fin­den.

Es ist unglaub­lich, dass ein Mensch, der einen schwe­ren Unfall über­lebt und aus sei­nem gewohn­ten Leben geris­sen wird, da er um den Ver­lust sei­nes Bei­nes fürch­ten muss, ein hal­bes Jahr­zehnt um sei­ne berech­tig­ten Ansprü­che kämp­fen muss. Finan­zi­ell erschwe­rend kommt hin­zu, dass er sei­nen Beruf nur noch ein­ge­schränkt aus­üben kann.

Die Ursa­che liegt wohl dar­in, dass Ver­si­che­rer die Aus­zah­lung berech­tig­ter Ansprü­che mit allen Mit­teln ver­zö­gern. Als Argu­ment für die Ver­zö­ge­rung bekommt man nur zu hören, dass die Ange­le­gen­heit ja geprüft werden müs­se. Dies ist jedoch nur ein Schein­ar­gu­ment. Die Ansprü­che des Schwer­ver­letz­ten hät­ten bereits längst beur­teilt werden müs­sen.

Wir kämp­fen wei­ter.