Haft­pflicht­ver­si­che­rungs-Streit nach Unfall im Aus­land – wir hel­fen!

Juli 2019

 

 

Immer wie­der haben wir in der Kanz­lei mit Ver­kehrs­un­fäl­len im Aus­land zu tun. Ein beson­ders kras­ser Fall hat sich vor etwa drei Jah­ren ereig­net.

Eine Fami­lie (Vater, Mut­ter, Sohn, drei­jäh­ri­ge Toch­ter) besuch­te Ver­wand­te im Koso­vo. Die Fami­lie beschloss, einen Aus­flug in die Umge­bung von Pris­ti­na zu machen.

Der Vater lenk­te das Fahr­zeug und näher­te sich einem Bahn­über­gang, der weder beschil­dert noch gekenn­zeich­net noch mit einer Leucht­war­nung ver­se­hen war. Der Bahn­über­gang war nur dann erkenn­bar, wenn man vor­her schon wuss­te, dass es einen sol­chen gibt.

Beim Über­que­ren des Bahn­über­gan­ges wur­de das Auto der Fami­lie vom Zug erfasst.

 

Vater schwer ver­letzt, Drei­jäh­ri­ge quer­schnitts­ge­lähmt

Die Mut­ter und der Sohn (bei­de auf der Bei­fah­rer­sei­te) wurden nicht gra­vie­rend ver­letzt. Der Vater hin­ge­gen erlitt schwers­te Ver­let­zun­gen. Die Ärz­te in Pris­ti­na woll­ten den Vater von den Maschi­nen tren­nen, da er nicht über­le­bens­fä­hig sei. Doch die Mut­ter kämpf­te um sein Leben. Der Vater wur­de mit der Ärz­te­flug­am­bu­lanz nach Innsbruck trans­por­tiert.

Auf­grund des Kön­nens der Inns­bru­cker Ärz­te ereig­ne­te sich ein Wun­der: Der Vater ist nach einem schwe­ren Weg, beglei­tet von Schmer­zen, Qua­len, The­ra­pi­en, wie­der so weit gene­sen, dass er einer Arbeit, wenn­gleich unter beträcht­li­chen Mehr­an­stren­gun­gen, nach­ge­hen kann. 

Die drei­jäh­ri­ge Toch­ter erlitt bei dem Unfall schwers­te Ver­let­zun­gen, vor allem Wir­bel­brü­che. Seit dem Unfall ist sie quer­schnitts­ge­lähmt. Sie kann die Bei­ne nicht bewe­gen. Bla­sen- und Mast­darm­stö­run­gen gehen mit der Quer­schnitts­läh­mung ein­her.

 

Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung: Toch­ter hat Anspruch auf Scha­den­er­satz und Schmer­zen­geld

Unab­hän­gig davon, ob den Vater ein Ver­schul­den trifft oder nicht, kann die min­der­jäh­ri­ge Drei­jäh­ri­ge Scha­den­er­satz­an­sprü­che gegen die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des PKWs gel­tend machen.

Mit der Haft­pflicht­ver­si­che­rung strei­ten wir der­zeit (drei Jah­re nach dem Unfall) immer noch, ob öster­rei­chi­sches Recht oder koso­va­ri­sches Recht anzu­wen­den ist.

Das Gericht hat nun­mehr aus­ge­spro­chen, dass koso­va­ri­sches Recht anzu­wen­den ist. Unse­rer Ansicht nach kann gar nicht ergrün­det werden, wel­ches Recht im Koso­vo über­haupt gilt.

Ein wei­te­rer Streit­punkt liegt dar­in, ob das Schmer­zen­geld jetzt schon für die Zukunft glo­bal abge­schätzt werden kann. Wir haben 300.000 Euro gel­tend gemacht. Die Rich­te­rin hat jedoch nur ein beschei­de­nes Teil­schmer­zen­geld von 30.000 Euro zuge­spro­chen, mit der Begrün­dung, dass der Behand­lungs­ver­lauf in Zukunft nicht abseh­bar ist. Wir haben dem hef­tig wider­spro­chen.

 

Lang­wie­ri­ge Pro­zess­füh­rung mit Auto­ver­si­che­run­gen keine Sel­ten­heit

Pro­zes­se mit dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer von PKWs kom­men einem kriegs­ähn­li­chen Zustand gleich. In der Regel bestrei­ten die Anwäl­te der Versicherungen alles, egal ob sinn­voll oder nicht. Das Bestrei­ten von Ansprü­chen und das in-die-Län­ge-zie­hen von Pro­zes­sen ist ja das Geschäft der Ver­si­che­rungs­an­wäl­te.

Da Haft­pflicht­pro­zes­se sehr lan­ge dau­ern und sehr teu­er sind, emp­feh­len wir unbe­dingt den Abschluss von Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen. Die­se müs­sen für die Kos­ten des Pro­zes­ses auf­kom­men.

Mit einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung ist jedoch nur einem Teil des Übels Abhil­fe geschaf­fen. Pro­zes­se mit einer Haft­pflicht­ver­si­che­rung dau­ern mit­un­ter über zehn Jah­re. Es emp­fiehlt sich daher, neben dem Abschluss einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung, auch eine Unfall­ver­si­che­rung und eine Rück­hol­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen.

In der Regel zah­len Unfall­ver­si­che­rer bei schwe­ren Ver­let­zun­gen rela­tiv schnell. Von weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen kann gesagt werden, dass Unfall­ver­si­che­rer ab drei Mona­ten nach dem Unfall Akon­to-Leistungen erbrin­gen. Nach ein­ein­halb Jah­ren wird die gesam­te Ent­schä­di­gungs­leis­tung in einer Mehr­zahl der Fäl­le gezahlt.